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update - 13.09.2009

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- Informationen über Klettergurte

Wurde vor rund 100 Jahren noch einfach das Seil um die Brust oder um den Bauch gebunden und tunlichst auf´s Stürzen verzichtet, so gibt es heutzutage ein breites Spektrum verschiedenartiger Klettergurte für jeden Anwendungsbereich. Angefangen beim schlichten Hüftsitzgurt für´s Sportklettern reicht die Palette über Kombigurte für den eher alpinen Einsatz bis hin zu eher exotischen Varianten für den Einsatz beim Canyoning, in Höhlen und für den Bereich Industrieklettern.
Nur der Vollständigkeit halber sei hier noch der Brustgurt erwähnt, der allerdings stets nur eine Ergänzung zum Hüftsitzgurt darstellt.

 

Hüftsitzgurte

-  Den klassischen Einsteiger – Klettergurt gibt es nicht  -

Die Wahl des richtigen Klettergurtes wird häufig davon abhängig machen, ob man Anfänger ist oder  Könner. Dies jedoch ein gänzlich falscher Ansatz. Es gibt keinen schlichten (billigen) Gurt, von dem man sagen könnte, dass er den Ansprüchen von Anfängern genüge. Genauso wenig gibt es Klettergurte, die mit besonders vielen Features ausgestattet sind, weil Kletterprofis das so brauchen.
Sicher, es gibt eine schier unüberschaubare Menge an Klettergurten, jeder Hersteller hat eine Vielzahl Klettergurte in seinem Angebot. Für einen Laien sind die Unterschiede jedoch oftmals kaum zu erkennen oder gar nachvollziehbar, selbst, wenn man sich die Beschreibung in den Katalogen durchliest. Insofern ist es nur allzu begreiflich, dass vor allem Einsteiger zunächst den erstbesten Billig – Klettergurt kaufen und erst dann nach einiger Zeit die Nachteile des Klettergurtes erkennen und den Kauf bereuen.
Der Hauptunterschied bei den Klettergurten besteht im Tage-Komfort oder trefflicher ausgedrückt im Sitzkomfort. Viele, vor allem billige Klettergurte, sind zu weich im Aufbau und können die Belastung beim Sitzen im Klettergurt oder bei einem Sturz nicht optimal verteilen. Der Beckengurt drückt im Nierenbereich und die Beinschlaufen zwicken im Schritt.
Ein guter Beckengurt ist etwas steifer im Aufbau und kann so die auftretenden Kräfte besser auf die gesamte Breite des Rückens verteilen. Eine leichte Verbreiterung im Bereich der Lendenwirbel bei gleichzeitiger Taillierung an den Seiten reicht dabei oftmals aus und stellt zudem noch eine Gewichtsersparnis dar. Der Beckengurt ist in der Regel mit einer verstellbaren Schnalle ausgestattet, nicht nur um ihn an die individuelle Taillenweite anzupassen. Der Hautgrund ist ganz einfach: man macht den Gurt maximal weit um ihn anzulegen und zieht ihn dann enger bis er passt.
Moderne Klettergurte haben hierbei Schnallen die nicht mehr zurückgeschlauft werden müssen. Diese Schnallen sind wesentlich sicherer, da sie immer korrekt gefädelt bleiben und man nur am Gurtband ziehen muss um die Taillenweite anzupassen.
Manche Klettergurte haben hingegen noch die klassischen Schnallen und vielleicht zusätzlich einen Klettverschluss, der aber lediglich als Anziehhilfe dient. Bei einem solchen Klettergurt ist tunlichst darauf zu achten, dass das Gurtband sorgfältig gefädelt werden muss und zwar so, dass das tragende Gurtband nicht nur zweimal durch die Schnalle geführt wird, sondern ein drittes Mal um ein selbsttätiges Ausfädeln zu verhindern.
Die meisten Klettergurte haben eine der soeben beschriebenen Verschluss-/Anpassungsschnalle. Manche haben hingegen zwei, was einen deutlich größeren Einstellbereich erwirkt. Dies ist ein Vorteil, wenn man den Klettergurt leicht bekleidet in der Kletterhalle genauso nutzen möchte, wie im Hochwinter dick angezogen bei einer Skihochtour.
Wie der Beckengurt, so sollten die Beinschlaufen ebenfalls nicht allzu weich gepolstert sein. Noch wichtiger jedoch ist die Form der Beinschlaufen: Einfache Klettergurte haben in der Regel O-förmige Beinschlaufen, bessere Gurte sind hingegen mit Y-förmigen Beinschlaufen ausgestattet. Die o-förmigen gehen wie in einem Ring um den Oberschenkel herum. Die Y-förmigen stellen in jedem Fall die anatomisch geschicktere und auch logischere Variante dar, denn  hier umschließt ein Gurt die Beine, der eine direkte, unmittelbare Verbindung zur Einbindeschlaufe darstellt. Diese Konstruktion gewährleistet eine  optimale Druckverteilung auf die Beine, bei bestmöglichem Tragekomfort.
Viele Klettergurte haben verstellbare Beinschlaufen, eine Verstellmöglichkeit ist jedoch nicht unbedingt eine Voraussetzung für den Tragekomfort des Klettergurtes. So wie man sich keine verstellbare Jeans kauft gilt für den Klettergurt: wenn der Klettergurt passt muss er auch nicht verstellbar sein. Die Beine werden ja in der Regel auch nicht dicker und bald drauf wieder dünner. Eine Verstellung macht also nur Sinn, wenn man beispielsweise etwas stärkere Beine hat und eine schlanke Taille (manche Damen) oder bereits einen leichten (Bier-)Bauch und untrainierte Beine (manche Herren), wenn also weder die kleinere Klettergurt-Größe noch die größere Größe optimal ist. Ein weiterer Grund für eine Beinschlaufenverstellung könnte sein, dass man den Gurt sowohl in der Kletterhalle, als auch bei einer Skitour einsetzen möchte (siehe oben).
Bestimmte Klettergurte haben weder gepolsterte Beinschlaufen noch einen gepolsterten Beckengurt. Solche Gurte sind eher für den alpinen Einsatz gedacht (mit Brustgurt kombinieren), denn im alpinen Bereich wird im Gegensatz zum Sportklettern davon ausgegangen, dass ein Sturz eher selten vorkommt und ein dauerhaftes Hängen im Gurt nicht üblich ist. Somit ist auch eine Polsterung zum Zwecke des größeren Komforts nicht erforderlich und man spart sich die Polsterung und dadurch auch Gewicht. Zudem ist es leichter mit einem ungepolsterten Klettergurt zu wandern. Ungepolsterte Klettergurte sind beim Sportklettern zwar genauso sicher und können bedenkenlos verwendet werden. Die Einschränkungen in Punkto Komfort sind jedoch so deutlich spürbar, dass in jedem Falle zu einem gepolsterten Modell geraten werden muss, wenn man vor hat eher zum Sportklettern zu gehen als beispielsweise eine Klettersteigtour oder eine Gletscherwanderung zu unternehmen.
Fast alle Klettergurte sind mit Materialschlaufen ausgestattet. Manche legen Wert auf eher feste Materialschlaufen, die leicht abstehen, damit man Karabiner oder Klemmkeile zügig ein- und aushängen kann, manchen ist dieser Aspekt eher weniger wichtig. Wer beispielsweise vor hat die Kletterhalle nie zu verlassen, braucht im Grunde genommen gar keine Materialschlaufen, da keine Karabiner oder sonstiger Ballast mitgeführt werden muss. Beim alpinen Klettern ist man häufig behangen wie ein Christbaum und freut sich über vier  (manchmal auch fünf) robuste Materialschlaufen.
Eine sinnvolle Tendenz ist Materialschlaufen so stabil am Klettergurt zu installieren, dass sie auch dann nicht reißen, wenn man sich versehentlich an einer Materialschlaufe einbindet statt in der Einbindeschlaufe (ist tatsächlich schon vorgekommen!). Viele Hersteller haben eben diese Problematik bereits erkannt und dies bei der Ausstattung des Klettergurtes berücksichtigt.
Manche Klettergurte haben zusätzlich auf der Rückseite des Beckengurtes eine stabile Schlaufe eingenäht, in der man sich einhängen kann, wenn man sich beim Sichern eines schwereren Kletterpartners hintersichern kann.
Fazit: Wer sich einen Klettergurt anschaffen möchte, sollte nicht blindlings zum erstbesten Billiggurt greifen, sondern sich genau überlegen, wie häufig er(sie) in Zukunft zum Klettern gehen möchte oder ob gar eine alpine Karriere in Frage kommt. Für ein paar Euro mehr bekommt man einen leichten und komfortablen Klettergurt, über den man sich nicht ständig ärgern muss, weil er drückt und zwickt und an dem man bestimmt viele Jahre seine Freude hat.


Kombigurte

Kombigurte, auch Komplettgurte genannt, sind die richtige Wahl für all diejenigen, die sich eher dem alpinen Bereich verschrieben haben. Kombigurte bieten Halt durch 2 Beinschlaufen und Gurtbänder, die hinten am Rücken überkreuz weiter über die Schultern und wieder herab zu den Beinschlaufen verlaufen. Der Einbindepunkt liegt bei Kombigurten um einiges höher als bei Hüftsitzgurten. Er liegt deutlich oberhalb des Körperschwerpunktes, genauergesagt im Bereich des Brustbeines. Durch diesen hohen Einbindepunkt soll ein aufrechtes Hängen gewährleistet werden, selbst wenn man, wie es nun mal im alpinen Bereich üblich ist, einen Rucksack auf dem Rücken trägt.

Canyoninggurte

Diese, sehr speziellen Gurte sind ausschließlich für den Einsatz beim Canyoning, also beim Klettern und Abseilen durch Canyons, Klammen und Wasserfällen gedacht. Von einer Verwendung beim Sportklettern oder in anderen Bereichen des Bergsports wird dringend abgeraten. Canyoninggurte haben in der Regel spezielle Sitzschalen

Speleogurte

Wie für das immer beliebter werdende Canyoning, so gibt es natürlich auch für den schon beinahe klassischen Bereich der Speleogie (Höhlenforschung) spezielle Gurte. Speleo- oder Höhlengurte sind in der Regel noch etwas robuster und abriebfester als normale Klettergurte, da man bei der Begehung einer Höhle davon ausgehen muss, dass auftretende Scheuerbelastungen und Abrieb ungleich höher ist als beim normalen Klettern und diese Gurte häufig nass und schmutzig werden.

Gurte für´s Industrieklettern und für Höhenarbeiten

Um den besonderen Anforderungen beim Industrieklettern, also bei Höhenarbeiten gerecht zu werden, sind Klettergurte mit besonderen Eigenschaften erforderlich. Diese Gurte erinnern zunächst stark an Kombigurte, die Ausstattung dieser Gurte geht jedoch deutlich über die Ausstattungsmerkmale eines Kombigurtes hinaus. Meist sind diese Gurte mit verschiedenen Anseil- oder besser Sicherungspunkten ausgestattet. Die Polsterung ist entsprechend dem Anwendungsbereich von leicht gepolstert, wenn der Gurt lediglich der Absicherung dient bis hin zu stark gepolstert, wenn der Industriekletterer die meiste Zeit seiner Tätigkeit im Gurt sitzend verbringt. Gurte für´s Industrieklettern müssen eine ganze Reihe spezieller EN- und CE-Normen erfüllen. Normale Kombigurte sind für Höhenarbeiten i.d.R. nicht zugelassen.